Fahrverhaltensbeobachtung.– Inwieweit ein Fahrer die in den Verkehrssituationen liegenden und sich durch die Interaktion mit dem Fahrzeug ergebenden Anforderungen tatsächlich bewältigt, läßt sich nur über eine genauere Betrachtung des Fahrverhaltens bestimmen. Fahrverhaltensmerkmale werden entweder weitgehend situationsunabhängig skaliert (z.B. auf Rating-Skalen) oder es werden streckenbezogene, situative Fahraufgaben definiert, die gelöst oder nicht gelöst werden können (Fehlerzählung). Gemeinsam ist diesen Ansätzen, daß das „normale“ Fahrverhalten durch mitfahrende Beobachter analysiert wird. Ein Großteil der vorliegenden systematischen Fahrverhaltensanalysen widmete sich der Ermittlung der individuellen Fahreignung. Erst in den letzten Jahren wurden Ideen und Methoden der arbeitsplatzbezogenen Fehlerforschung auch für die Sicherheitsbewertung von Verkehrssystemen verwendet. Dabei werden schadenfreie Verkehrsverstöße und kritische Ereignisse als unerwünschte Störungen der Systemleistung zur Beurteilung herangezogen. Während die „Verkehrskonflikte“ meist auf bestimmte fixe Abschnitte im Straßennetz bezogen sowie ortsfest beobachtet werden, arbeitet die mitfahrende Beobachtung während einer Fahrt mit einer Liste standardisierter Fahrfehler. Dabei haben sich vor allem Fehlerzähltechniken bewährt, die es erlauben, die einzelnen Fehlerarten definierten Verkehrssituationen zuzuordnen (Fastenmeier, 1995). Somit läßt sich die Frage präziser sowie quantitativ beantworten, welche Art von Fahrverhalten in welchen Situationen unter dem Einfluß neuer Techniken (*Fahrerassistenzsysteme), baulicher Änderungen oder generell von Sicherheitsmaßnahmen verändert wird. Der Einsatz moderner instrumentierter Meßfahrzeuge erlaubt zudem die Erfassung großer Datenmengen von „objektiven“ Maßen der Fahrleistung (z.B. Geschwindigkeiten, Abstände, Zeitlücken, Lenkradbewegungen), die mit den beobachteten Verhaltensdaten synchronisiert werden.

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