Fahranfänger.- Bei Führerscheinneulingen – heute fast ausschließlich junge Fahrer bis 25 – wirken der Mangel an Übung und jugendliche Unbekümmertheit in die selbe Richtung; diese Gruppe weist ein stark überhöhtes Unfallrisiko auf. Beim Lernprozeß werden allmählich bewußte Handlungen durch regelbasiertes Verhalten ersetzt und dieses später weitgehend automatisiert. Dieser Prozeß verläuft für verschiedene Teilaufgaben unterschiedlich schnell. Während die perzeptiv-motorischen Fertigkeiten recht schnell erworben werden, braucht der Fahranfänger ca. 8 Jahre oder 100.000 km Fahrpraxis, um seine selektive Aufmerksamkeit optimal zu steuern, was sich z.B. in unterschiedlichem Blickverhalten zwischen Anfägern und erfahrenen Fahrern zeigt. Die aus dem Erfahrungsmangel abgeleiteten Defizite sind :ungenügende Gefahrenerkennung, schlechtere Antizipationsleistungen und ein geringes Verhaltensrepertoire zur Bewältigung kritischer Situationen. Junge Fahrer haben eine qualitativ andere Exposition als der Durchschnitt: Sie fahren häufiger auf Landstraßen und unternehmen vermehrt Nachtfahrten. Als Triebfedern der erhöhten Risikobereitschaft gelten Auslebenstendenzen, Erproben neuer Erlebnismöglichkeiten, Gewinn an Unabhängigkeit und das Suchen nach Anerkennung im sozialen Umfeld. Resultierende Verhaltensweisen sind: Ungenauigkeiten beim Spur halten, Fehler bei Fahrstreifenwechseln, mangelnde Längs- und Seitenabstände, überhöhte Geschwindigkeit, fehlerhaftes Ausweichen bei Hindernissen, mangelnes orientierendes und sicherndes Verhalten, Kurvenschneiden und Fehler beim Abbiegen in Kreuzungen. Auch mit verbesserter Fahrausbildung, Stufenführerschein und zusätzlichen Sicherheitstrainings für Fahranfänger wird sich deren Unfallrisiko nur leicht akzentuieren lassen. Wissensvermittlung, Einstellungsänderungen und Training von Fertigkeiten müssen durch verkehrs- und fahrzeugtechnische Verbesserungen ergänzt werden.

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