Entwicklung und Anwendung einer neuen Methodik
zur Fahraufgabenanalyse* (SAFE
)

Development and Application of a New Tool in Driver Task Analysis

In den Verkehrswissenschaften existieren bislang keine verkehrsspezifischen Standardverfahren, die eine Anforderungsanalyse auf der Ebene der Fahraufgaben erlauben. Dieser Beitrag stellt die Grundzüge eines Verfahrens zur Fahraufgabenanalyse dar (SAFE: Situative Anforderungsanalyse von Fahraufgaben). Es basiert auf einer Modellvorstellung zu den Informationsverarbeitungsprozessen, die während der Bewältigung der Fahraufgabe eine Rolle spielen. Der erste Schritt der Aufgabenanalyse besteht darin, eine ausgewählte Fahraufgabe (z.B. Linksabbiegen in einer ampelgeregelten Kreuzung bestimmten Typs) in Teilaufgaben zu zerlegen und eine zeitliche Strukturierung dieser Teilaufgaben vorzunehmen. Diese werden räumlichen Segmenten zugeordnet, die nacheinander durchfahren werden müssen. Für jede Teilaufgabe erfolgt dann die eigentliche Anforderungsanalyse, die nach den Kapiteln Wahrnehmung, Erwartungsbildung, Beurteilung, Gedächtnisprozesse, Entscheidung/Planung sowie Fahrzeugbedienung mit jeweils bis zu acht Unterkapiteln gegliedert ist. In weiteren Schritten werden die für jede Teilaufgabe typischen Fehler aufgelistet, Komplexitäts- und Risikoeinschätzungen vorgenommen und daraus Listen von Anforderungen erstellt, die das Entlastungspotential bilden, das z.B. durch Fahrerassistenzsysteme ausgeschöpft werden könnte.

A framework for driver task analysis is derived from a model of the drivers´ information processing. The first step of the procedure (SAFE) is to divide a given driving task (e.g. left turning in a signalised intersection of a certain type) into subtasks. These subtasks are appointed to defined stretches of the road and the time structure of the subtasks is determined. For each subtask an analysis format is used, that organizes different requirements into perception, expectation, judgement, memory, decision and driver action. In a next step, typical driver errors are appointed to the subtasks. Afterwards the information gathered in the analysis procedure is compressed to ratings of the complexity and risk included in each subtask. After the crucial subtasks of a driving task have been determined, a list of those requirements that led to that rating can be compiled. These lists give the potential for aiding the driver e.g. by use of driver assistance systems.


Aus: Fastenmeier, W. & Gstalter, H. (2003). Entwicklung und Anwendung einer neuen Methodik zur Fahraufgabenanalyse. VDI-Berichte, 1768, 197-213. Düsseldorf: VDI-Verlag.

* Das diesem Beitrag zugrundeliegende Vorhaben wurde im Rahmen von INVENT/FAS, Teilprojekt „FVM“ im Auftrag der BMW AG, Robert Bosch GmbH, DaimlerChrysler AG, Volkswagen AG durchgeführt. Die Verantwortung für den Inhalt liegt bei den Autoren.



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