Das Zusammenwirken psychologischer und medizinischer Einflussfaktoren auf das Unfallrisiko und Mobilitätsverhalten älterer Fahrer (Projekt ELFI).

Die Auswirkungen der Alterung unserer Gesellschaft auf das Verkehrssystem werden seit einigen Jahren intensiv erforscht. Im Mittelpunkt einer Reihe von Forschungsarbeiten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) stand dabei die Frage, inwieweit die mit dem Alterungsprozess einhergehenden körperlichen und mentalen Veränderungen älterer Kraftfahrer deren Wunsch nach möglichst langer aktiver Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr entgegenstehen. Im vorliegenden Projekt (ELFI) standen Fragen zu den Auswirkungen medizinischer und psychologischer Faktoren auf Ausmaß und Form der Automobilität sowie auf das Unfallrisiko älterer Fahrer im Zentrum des Interesses. Zu diesem Zweck wurden nach einer Literaturanalyse Fragebögen, Wegetagebücher, psychometrische Testverfahren und eine medizinische Untersuchung zusammengestellt und damit 270 freiwillige aktive Autofahrer über 65 Jahre untersucht. Mit einer Teilmenge von 30 Probanden wurde außerdem eine psychologische Fahrverhaltensbeobachtung durchgeführt.

Die Selbstselektion der Stichprobe ergab überwiegend gesunde und zufriedene Senioren, die trotzdem in den psychometrischen Tests zur Fahrkompetenz oft die geforderten Normen nicht erreichten. Die in den Tests und in der medizinischen Untersuchung erfolgreicheren Probanden fuhren in der Fahrverhaltensbeobachtung besser, aber der individuelle Erfolg in der Fahrverhaltensbeobachtung konnte nicht genügend trennscharf aus den Daten vorhergesagt werden; wie schon andere Studien zeigten, wäre hier die Anzahl falsch positiver Urteile inakzeptabel hoch.

Der Bericht beschreibt detailliert die Zwecke und Erscheinungsformen der Seniorenautomobilität. Medizinische und psychologische Faktoren interagieren nicht, sondern wirken nacheinander. Insgesamt scheinen medizinische Gründe eher zur Aufgabe des Fahrens zu führen, während psychologische Variablen eher Größenordnung und Art der Automobilität moderieren. Dabei spielen die Selbstwirksamkeitserwartung, verkehrsbezogene Ängstlichkeit und kompensatorisches Fahrverhalten eine regulierende Rolle. Daher ist es in der zukünftigen Verkehrssicherheitsarbeit besonders wichtig, die psychologischen Einflussfaktoren auf das Mobilitäts- und Fahrverhalten älterer Verkehrsteilnehmer stärker zu berücksichtigen. Dies betrifft im weiteren Sinne sämtliche Erwartungen und Einstellungen dieser Zielgruppe, die mit der Mobilität und dem Autofahren verbunden sind.

Etwa ein Drittel der Probanden war in den drei Jahren vor der Untersuchung in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen. Das individuelle Unfallrisiko lässt sich aus der Kombination der erhobenen personenbezogenen Daten nicht vorhersagen. Eine gültigere Aussage über die Fahrkompetenz einzelner Senioren kann aus den Ergebnissen einer psychologischen Fahrverhaltensbeobachtung erschlossen werden.


Aus: Fastenmeier, W., Gstalter, H., Breitenladner, Ch., Hell, W., Helmreich, C. & Binnewies, I. (2014). Das Zusammenwirken psychologischer und medizinischer Einflussfaktoren auf das Unfallrisiko und Mobilitätsverhalten älterer Fahrer (Projekt ELFI). Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, M . Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW.


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