Bewertung der Auswirkungen von Pkw-Sicherheitstrainings für
junge Fahrer auf die Verkehrssicherheit

Fahranfänger weisen überall auf der Welt ein überdurchschnittliches Unfallrisiko auf. Neben anderen Maßnahmen werden deshalb von verschiedenen Institutionen freiwillige Sicherheitstrainings angeboten. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit die Teilnahme an diesen Trainings zu einer verbesserten Sicherheit junger Fahrer beitragen kann.

Zu diesem Zweck wurden zunächst die im deutschsprachigen Raum für diese Zielgruppe erreichbaren Angebote gesammelt und nach ihren Merkmalen beschrieben.

In einem weiteren Schritt wurde die internationale Literatur zum Thema Sicherheitsgewinne durch Fahrertrainings ausgewertet. Insbesondere aus dem Studium von Evaluationsuntersuchungen wurde dabei abgeleitet, welche Trainingsmerkmale günstige Prognosen für die verkehrliche Weiterentwicklung erwarten lassen. Als Ergebnis dieser Arbeit entstand ein Katalog von Anforderungen an Sicherheitstrainings. Diese betreffen einerseits die wesentlichsten Lernziele, deren Umsetzung angestrebt werden sollte, andererseits methodisch-didaktische Mindestanforderungen bei der Kurskonzeption, Durchführung, Evaluation und Weiterentwicklung.

Die dokumentierten Kurse verschiedener Anbieter wurden dann nach diesen Kriterien eingeschätzt. Die Analyse der Bewertungsergebnisse gruppiert die Trainings nach ihrem Nutzen für die jungen Fahrer. Gut schneiden dabei solche Kurse ab, die über das Üben fahrtechnischer Fertigkeiten hinaus auch die folgenden Ziele konsequent verfolgen: Vermitteln einer realistischen Gefährdungseinschätzung, Verbessern der Gefahrenkognition, Verstehen der Fahraufgabe als antizipatorische soziale Aktivität, Selbstreflexion von Fahrtmotiven. Kurse mit derart breit gefächerten Zielen sind eher in der Lage, unangemessenen subjektiven Lerngewinnen bei den Teilnehmern vorzubeugen als Kurse, deren starke fahrtechnische Orientierung zu riskanterem Fahren führen und damit das Trainingsziel konterkarieren könnten. Es zeigt sich, daß Kurse mit den erweiterten Lernzielen auch die sorgfältigere Konzeption in pädagogischer Hinsicht besitzen.

Die Ansätze der als geeignet eingestuften Trainings enthalten wesentliche Elemente, die im Sinne einer verbesserten Fahrschulausbildung durchaus positive Effekte haben könnten. Ein solches verändertes Ausbildungssystem sollte aber generalpräventiv sein, also alle jungen Fahrer erfassen. Abschließend werden einige Anregungen für die Gestaltung zukünftiger Kurskonzepte gegeben.

Aus: Fastenmeier, W. & Gstalter, H. (2000). Bewertung von Fahrsicherheitstrainings für junge Fahrer. Expertise im Auftrag des GDV e.V. - Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. München: Institut für Fahrzeugsicherheit im GDV.


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